Mittwoch, 5. Januar 2011

Kleines Update

Olá alle miteinander,
ich hoffe ihr hattet alle ein frohes Weihnachtsfest und seid gut in das neue Jahr gekommen. Ich habe die Weihnachtstage bei der Familie meiner Freundin in Caramagibe verbracht (Eltern sind Koch bzw Konditorin = sehr gutes Essen :-) ) und Silvester am Strand von Boa Viagem mit gefühlten 1.000.000 anderen Leuten bei Livemusik und Cai Pirinhas bis zum Vormittag des neuen Jahres gefeiert. Da ich meine Kamera nicht mit hatte gibt es jedoch auch leider keine Fotos.

Ich war in letzter Zeit wieder etwas schreibfauler, aber Anfang nächster Woche beginnt mein Praktikumssemester und dann gibt es wieder mehr zu berichten. Mein 18-wöchiges Praktikum werde ich im Department für Herpetofauna/Paläontologie an der Universidade Federal Rural de Pernambuco abhalten und dort in Kooperation mit der Hochschule Bremen versuchen einen digitalen Verbreitungsatlas der in Pernambuco heimischen Reptilien und Amphibien zu erstellen. Am kommenden Freitag habe ich auch schon meine erste Exkursion und bin jetzt schon gespannt wie ein Flitzebogen.

Und noch was:
Es kommt zwar reichlich spät, aber falls mir jemand eine Karte oder ein Päckchen schicken möchte kann er es unter folgender Adresse tun.

Oliver Brockmann
Rua Inacío Leopoldo 64, Bloco B, Apt. 101
CEP 50670-490 Recife, PE
Brasil

Sofern ich die Adresse habe verspreche ich auf jede Post mit einer netten Karte zu antworten.

Ansonsten sonnige Grüße aus Brasilien!

Dienstag, 14. Dezember 2010

Exkursion nach Tuparetama

Aieiei - schon wieder eine ganze Ecke her, dass ich mich mit Neuigkeiten gemeldet habe, aber wir hatten ja auch Prüfungsphase und man hat ja sonst auch anderes zu tun als vor dem PC Blogposts zusammenzubasteln. Wir sind übrigens super durch die Prüfungen gekommen und sind in allen Kursen im oberem Viertel und gehören in zwei Kursen ("Ecologia de Campo" und "Ecologia de Recifes") sogar mit zu den Klassenbesten. War nun aber auch nicht soooo anspruchsvoll und wenn man ein bisschen was gelernt hatte konnte man auch ganz gut durch die Prüfungen kommen.

"Letztens", also schon wieder einen Monat her, haben wir an einer Exkursion zum Thema Wasserhygiene in Tuparetama teilgenommen. Die Exkursion war vom "Department für Antibiotika" und daher für uns eher freiwillig, aber auch eine gute Chance um das Landesinnere mit seiner interessanten "Caatinga"-Vegetation kennenzulernen. Außerdem haben wir noch ein fischökologisches Projekt unseres deutschen Professors Heiko Brunken unterstützt indem wir vor Ort für ihn Daten der Fischfauna im Rio Pajeú gesammelt haben.

Mehr erkläre ich einfach mal anhand der Bilder die wir dort gemacht haben:


Tuparetama ist eine kleine, gemütliche Stadt mit einer etwas breiteren Straße und Kirche im Ortskern. Schon typisch brasilianisch, aber trotzdem weitaus weniger hektisch als das Leben in Recife.


Erstmal gewöhnungsbedürftig: Weihnachtsdeko bei fast 40°C in Tuparetama.


Das Landschaftsbild ist in der Region um die Kleinstadt Tuparetama vom Vegetationstyp der Caatinga dominiert. In erster Linie bestimmen dürrebeständige Sträuche und Kakteen das Bild. Die Region hat ein semiarides, also halbtrockenes Klima, daher ist es im Winter regnerisch und im Sommer allerdings so trocken, dass der Großteil der Flüsse einfach mal austrocknet. Am Tag unserer Ankunft hatten wir auch direkt 39°C und das obwohl die heißeste Zeit des Tages schon vorüber war. Allerdings konnten wir die Hitze in Tuparetama trotz der höheren Temperatur besser aushalten als in Recife, da die Luft logischerweise viel trockener als in der schwülen Küstenstadt ist. Ein bisschen fühlte man sich zudem wie in den Wilden Westen versetzt.


Auf Grund der zum Teil geringen Bildunginfrastriktur der ländlichen Population gibt es viele Probleme mit der Hygiene des vorhandenen Wassers. Unrat wie Schlachtabfälle und Haushaltswasser gelangt in die für die Region wertvollen Gewässer und kontaminiert mit Keimen und Parasiten die Haushalte, die ihr Wasser aus diesen Gewässern beziehen. Laut einer medizinischen Studie wird angenommen, dass ein Anteil von 80% der Bevölkerung in der Region Probleme mit Parasiten und Krankheiten, unter anderem durch die mangelhafte Wasserqualität , hat. Der See auf dem Bild ist allerdings ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht. Die Kommune hier ist sich der Problematik bewusst und hält den See auf Trinkwasserniveau und fern von Abwässern.


Das sind mal zwei ordentliche Zitronen.


Obwohl die Blütezeit der meisten Pflanzen im Winter liegt gab es trotzdem einige schicke Blüten zu bewundern.


Diese Pflanze, deren Name ich inzwischen wieder vergessen habe, wird im Notfall benutzt, wenn jemand von einer Schlange gebissen wurde. Der Zweig wird durchgebrochen und der austretende Pflanzensaft herausgesaugt. Der Saft der Pflanze soll dabei das Schlagengift etwas abschwächen können.



Wie gesagt man fühlt sich hier ein bisschen wie in der Zeit zurückversetzt im Wilden Westen. Cowboys und Rinderschädeln auf Zaunpfählen inklusive.


Zeit zum Fischen hatten wir auch genug:
Das hier zu sehende Elektrofanggerät hat allerdings aufgrund der hohen Wassertemperatur (und der damit verbundenen schlechten Konnektivität) allerdings nicht funktioniert.


Mit dem Zugnetz ging das dann schon viel besser von der Hand. Allerdings konnten wir nur zwei von acht Probestellen des Rio Pajeú befischen, da alle anderen bereits ausgetrocknet waren.


Wenig Fische ist besonders toll für Amphibien deren Brut dann nicht gefressen wird. Daher gab es hunderttausende dieser kleinen Kröten an und in den Tümpeln.


Unser "Fischereiteam"


Da wir nur zwei der Probestellen befischen konnten hatten wir natürlich auch genug Zeit für andere Aktivitäten. Zum Beispiel zum besteigen des "Monte Alegre".


Oben auf dem Berg wird die Vegetation rar und Fels dominiert. Überall entdeckt man Becken und Wasserläufe die in der Regenzeit gefüllt und im Sommer ausgetrocknet sind.


Trotz der trockenen Hitze hält sich auch ein größerer Tümpel auf dem Berg. Ohne Fische, dafür aber wieder mit Amphibien, die hier ohne Gefahr leben können von größeren Wassertieren gefressen zu werden.


Ein Krallenfrosch und wahrscheinlich die Art Pipa carvalhoi. Die zugegeben nicht grade hübschen Krallenfrösche sind dafür bekannt ihren Nachwuchs auf dem Rücken zu tragen.

Die folgenden Bilder vom Gipfel lass ich einfach mal unkommentiert, außer, dass die Aussicht einfach klasse war und die riesigen Felsen ebenfalls Eindruck hinterlassen haben.






Am Abend ging es gleich weiter und wir haben das 45. Schuljubiläum der Escola Mul. Anchieta Torres in Santa Rita besucht. Volles Programm mit von allen Klassen vorgetragenen Theater und Musikvorführungen.


Eines der beeindruckenderen Highlights war dabei sicherlich die schuleigene Fanfarentruppe:



Diese über 2m lange Boa constrictor wurde von einem Mann im Dorf gefangen. Gefährliche und vermeintlich gefährliche Schlangen werden hier häufig einfach erschlagen. Allerdings meinte der Typ, dass er das Tier wieder aussetzen wird.

Donnerstag, 11. November 2010

Exkursion nach Saltinho und Wald in Várzea

Am 26. Oktober waren wir zum zweiten Mal im "Reserva Biológica União" (Rebio) Saltinho. Diesmal für den Kurs "Biologia da Conservação" (Naturschutzbiologie) und um unsere Nussfrüchte, die wir letztes Mal für ein anderes Projekt dort im Wasser positioniert haben, wieder einzusammeln. In einem Rebio-Reservat ist es nicht erlaubt das Gebiet ohne triftigen Grund, wie z.B. Wissenschaftliches Monitoring/Untersuchungen, zu besuchen. Im Reservat gibt es viel Wildnis und quasi unberührte Natur (Trotz teurer Schutzmaßnahmen gibt es immer wieder Wilderei in dem Areal) zu entdecken und daher lässt es sich auch verschmerzen dasselbe Gebiet ein zweites Mal zu besuchen, anstatt irgendwo anders hinzufahren. Allerdings gab es diesmal auch eine Präsentation und eine andere Wanderroute durch den Wald als beim ersten Mal.


Vor, in und hinter diesem See haben wir auf der letzten Exkursion unsere Nussfrüchte säckchenweise im Wasser verteilt um Wasserinsekten anzulocken und um die Zusammensetzung derer Faunen später im Labor zu vergleichen. Direkt bei den ersten Säckchen viel auf, dass irgendein größeres Tier im Reservat die Nüsse wohl auch lecker findet, denn sämtliche Säcke hatten faustgroße Löcher und waren "nusslos". Die weiteren Säckchen hatten dann zum Glück noch teilweise ihren Inhalt.


Man hat es schon gerochen: Mitten auf dem Weg lag dieser kopflose Schlangenkadaver herum. Der Größe nach zu urteilen muss es sich um ein recht stattliches Tierchen gehandelt haben.


Auf dem Gelände stehen vereinzelt verlassene Gebäuderuinen herum. Hier haben sich einige frugivore (fruchtfressende) Fledermäuse niedergelassen.


Brettwurzeln geben Baumriesen den nötigen halt den sie benötigen um aus dem Kronendach über "herkömmliche" Arten hinwegzuwachsen.


Dies ist Caesalpinia echinata, ein besonderer Baum für Brasilien: In den Anfangszeiten der portugiesischen Kolonialisierung hatte das Holz einen großen Stellenwert als (damals noch einzige) natürliche Ressource, die von der Kolonialmacht kommerziell genutzt wurde. Auf Grund der ökonomischen Bedeutung des karminroten Brasilholzes (Brasil leitet sich ursprünglich vom portugiesischen Wort für Glut - brasa - ab) wurde das Land auf dem es wuchs kurzerhand nach ihm benannt: Terra do Brasil - Brasilien

Man könnte nun behaupten, dass die Benennung eines Landes nach einer kommerziell wertvollen Holzart damals schon ein schlechtes Omen für die Zukunft des tropischen Regenwaldes war und in der Tat: Der Raubbau dieser Art hat erheblich zum Verschwinden des Atlantischen Regenwaldes - dem Mata Atlântica - beigetragen von dem heute nun kaum mehr als 1% (!) der ursprünglichen Fläche (ehemals 15% der Fläche Brasiliens) übriggeblieben ist. Die Artenvielfalt des Mata Atlântica ist gehört weltweit mit zu den höchsten und übertrifft locker die des Amazonas. Leider gehört der Wald auch durch das gewaltige Ausmaß der Zerstörung, der Fragmentierung der Überbleibsel und durch das Fehlen eines effektiven Schutzmanagements zu den gefährdetsten Lebensräumen der Erde.


Auf den Straßen die um das Gebiet führen weisen Schilder mit allerlei Tierarten die Autofahrer auf Achtsamkeit hin.



Was gibt es besseres als nach einer anstregenden Exkursion in den schwülen und heißen Regenwald ein erfrischendes Bad in einem Wasserfall zu nehmen?


Diese Spinne war ebenfalls überall im Reservat zahlreich anzutreffen. Es handelt sich um die Art Nephila clavipes, ziemlich große Spinnen die Beinspannweiten von bis zu 20 cm erreichen können (Jedenfalls die Weibchen, die Männchen sind im Verhältnis Winzlinge). Überall in den wärmeren Regionen Amerikas gibt es diese Spezies in allerlei Farbvarianten. In Brasilien kommen nur zwei Vertreter der fast weltweit verbreiteten Familie (Nephilidae) vor. Das Netz der Spinne ist dermaßen kräftig, dass die indigenen Einwohner des Amazonas es zum Fischen benutzen und ist daher im Moment auch Gegenstand der Materialforschung.

Am 31. Oktober haben wir unsere Freizeit genutzt um im Wald im Stadtteil Várzea (Várzea bezeichnet Ufergebiete die saisonell von Weisswasser überflutet sind) zu spazieren.


Wieder überall anzutreffen: Nephila clavipes
Es bedarf schon wachsame Augen um nicht ausversehen in ein Netz eines dieser Tierchen zu laufen.


Eine Jaca, Jack- oder Jacobsfrucht (Artocarpus heterophyllus). Diese Bäume mit ihren eindrucksvollen und schmackhaften Sammelfrüchen (sollen angeblich bis zu einen Meter lang werden können bei einem Durchmesser von bis zu 50 cm!) sind zwar überall anzutreffen, aber einheimisch ist diese Pflanze nicht. Es handelt sich um einen Neophyten (eingebürgerte Pflanzenart) aus Indien.



Viele Tiere sind von ihrer Erscheinung her an ein Leben zwischen der Schicht abgestorbener Blätter angepasst wie diese Heuschrecke und dieser Falter. Passend zur Erscheinung verharren die Tiere auch regungslos wenn man ihnen nahe kommt um keine Aufmerksamkeit zu erregen und flüchten erst in letzter Sekunde.


Nach dem Ausflug haben wir noch einen Bekannten getroffen der Mitbetreiber eines Jugend- und Kulturzentrums in Várzea ist und mit ihm eine kleine Jamsession gestartet. Mittlerweile habe ich mir auch selber ein Berimbau zugelegt.

Dienstag, 9. November 2010

Ilha Itamaracá und Coco in Olinda

Ist ja schon wieder etwas über einen Monat her, dass ich hier was geschrieben hab. Dafür gibts nun wieder zwei neue Einträge. Bilder von der großen, drei Tage langen Riff- und Strandtour für "Ecologia de Recifes" gibt es leider keine, da mir leider meine Kamera mit sämtlichen Bildern abhanden gekommen ist. :-/
Für Lau (ca. 80 Eurocent) sind wir "letztens" (ist auch schon über einen Monat her) mit dem Bus zur Insel Itamaracá 60 km nördlich von Recife gefahren. Erste Anlaufstelle dort war für uns das Zentrum für marine Säugetiere von IBAMA (= Brasilianisches Institut für Umwelt und erneuerbare natürliche Ressourcen), welches den Schwerpunkt neben einigen regional heimischen Delfinarten vorallem auf Manatis legt, welche durch Umweltverschutzung und Verschwinden ihres natürlichen Lebensraumes, den Mangroven, bedroht sind. In Brasilien sind die Tiere schon bis auf wenige Restbestände nahezu ausgerottet.


Das Design des Kinos auf dem Gelände macht unmissverständlich klar um was es hier geht: Seekühe!


In Becken konnte man dann auch einige Exemplare der dicken Tierchen (Karibik-Manati Trichechus manatus) beobachten. Besonders aktiv waren die Unterwasser-Dickhäuter jedoch nun nicht grade. Und das Wasser war in anderen Becken so zugekotet, dass man nichts erkennen konnte, wenn nicht grad eines der Tiere zum Luftholen aufgetauchte.

Nächster Stop auf unser Itamaracá-Tour war dann das "Fort Oranje Itamaracá", eine alte Befestigungsanlage aus Zeiten der holländischen Kolonialisierung Brasiliens.

Der alte Befestigungswall am herrlich blauen Strand.


Wohl ein Beobachtungsturm oder so.


Im Inneren der Anlage die Unterkünfte und natürlich die Kirche.


Blick zum Strand vom Wall des "Fort Oranje Itamaracá"


Gegenüber befand sich dann auch direkt die "Corôa do Avião", was sich ungefähr mit "Sandbank des Vogels" übersetzen lässt. Zwar keine "Vogelinsel" wie wir sie aus unseren Breitengraden kennen und anstatt mit Nistplätzen für seltene Seevögel war das Inselchen mit Strandbars vollgeklatscht, aber es war grad Ebbe und der Strand auf der anderen Seite ist bei Niedrigwasser riesig - also sind wir rüber um ein bisschen am Strand herumzuwandern.


Ordentliche Strecke Strand. In der Mitte sieht man die kleine "Corôa do Avião" und links auf der anderen Seite lässt sich noch der Strand mit dem Fort Oranje erahnen. Mussten dann auch zügig wieder zurück als das Wasser wieder anfing zu steigen.


Ein Sanddollar. Ein Verwandter der Seeigel.

Das wars dann auch soweit von unserem Inseltrip nach Itamaracá.
Jeden Sonntag ist in der Stadt Olinda immer Coco und Samba auf den Straßen angesagt. Verschiedene Musik- und Tanzgruppen sind dann unterwegs, alles ist laut und bunt. Und da sich dies natürlich auf Bildern nicht wirklich vermitteln lässt hier zwei Videos davon:


Eine Coco-Musiktruppe. Coco gehört zur "música nordestina", ist also ein typischer Musik- und Tanzstil auf Forró-Festen des Nordosten Brasiliens.


Eine Capoeira-Angola-Gruppe. Leider kommt der Tanz/Kampfstil mit seiner enormen Schnelligkeit im Video nicht annährend so beeindruckend rüber wie in Realität.


Oben in den Hügeln von Olinda und vor dem nächtlichem Lichtermeer von Recife.


Straßenimpression aus Olinda


Caipirinha und (mehr oder weniger trinkbares) Bier gehören hier zum Wochenausklang ebenso dazu wie Coco, Samba usw.

Hier noch zwei Dinge, die nicht wirklich etwas mit dem vorherigen Postinhalt zu tun haben.

Ein Weißnacken-Blaurabe (Cyanocorax cyanopogon). Sehr intelligente Vögel, die allerlei Geräusche im Repertoire haben und daher beliebte Haustiere sind. Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt allerdings weiter landeinwärts in der semiariden Caatinga.


"Deutscher erstellt virtuellen Atlas über Fische im Staat" - Na den kennen wir doch irgendwie aus Bremen!