Freitag, 20. August 2010

Praia de Francais













Zweite Woche - Alagoas/Maceio

Donnerstag ist Michael angekommen und wir sind dann direkt in den angrenzenden Bundesstaat Alagoas gefahren um auf der Fazenda (Bauernhof) von Andrés Eltern den Geburtstag vom Vater von André zu feiern. Das Essen war ein Traum: Das Fleisch kam aus eigener Haltung – Rind und Wildschwein – und es gab auch hausgemachten leckeren Käse der typisch für den Nordosten des Landes ist. Die Fazenda liegt ein wenig außerhalb und da fast immer alle Türen tagsüber und abends offen stehen und überall Licht brennt entdeckt man auch allerlei Viehzeug im Schlafzimmer. Gegen die Ameisenstraßen in unserem Zimmer kam irgendwann auch der Gecko nicht mehr gegen an. Neben Kakerlaken, Spinnen und diversen Hundert- und Tausendfüßern hatten wir sogar eine dieser solitären riesigen Wespen in unserem Zimmer die Vogelspinnen jagen. Die sollen ja auch einen der schmerzhaftesten Stiche in der Tierwelt austeilen könnnen, aber auf diese Erfahrung kann ich verzichten

Tagsüber hat ein Arbeiter tatsächlich eine echte Korallenschlange erlegt, die auf dem Grundstück herumschlängelte. Armes Ding, aber auch verständlich wenn Kinder im Garten spielen, denn diese Schlangen sind ja bekanntermaßen hoch giftig.
An einem anderen Tag hat uns André dann zu einem traumhaften Wasserfall gelotst. Einziger Knackpunkt: der Weg. Über eine Stunde Berg auf und Berg ab durch unwegsames, dorniges, verschlammtes Gelände. Teilweise mussten wir fast auf allen Vieren durch das Unterholz kriechen und das bei all dem Viehzeug was man dort vermutet. Naja, am Wasserfall angekommen war es dann wirklich paradiesisch. Überall Lianen und exotische Blüten und eine Reihe von Wasserfällen die zur Erfrischung gradezu einluden. Nach zugegeben nicht ganz ungefährlicher Klettertour und Bad konnte man sich auf einen der vielen großen Steine legen und die durch das Blätterdach scheinende Sonne genießen und. Ach ja eine Sache war dann doch weniger paradiesich:
Beim ersten Erkunden des Wasserfalls müssen wir irgendwie einem Bienennest in einem Ast zu Nahe gekommen sein. Jedenfalls waren binnen Sekunden hunderte Bienen alarmiert und griffen uns an. Die Angreifer konnten zwar nicht stechen, jedoch beißen und richtig nervig war, dass sie auch noch absichtlich in die Haare gekrabbelt sind um die Kopfhaut zu bearbeiten. Ich habe bestimmt ungelogen 30 dieser Mistviecher aus Kopf- und Barthaaren fummeln müssen und mir tat der ganze Tag die Kopfhaut weh. Michael wurde aus irgendeinem Grund komplett verschont. Vielleicht gehen die Bienen nur auf dunkles Haar oder so - ich habe keine Ahnung.

Momentan sind wir schon wieder aufgebrochen und befinden uns in der Hauptstadt von Alagoas – Maceio. Hier gibts jede Menge traumhafte Strände und werden heute dann auch im Riff schnorcheln gehen.













Der echte WC-Frosch



Erste Woche

Okay, ich bin ein wenig im Verzug mit dem Blog hier, aber dafür gibts nun auch ein bisschen mehr zu sehen und zu lesen.

Ich bin gut in Recife angekommen. André, ein brasilianischer Kumpel, den ich ja schon von seinem Auslandsjahr in Deutschland her kenne, hat mich abgeholt und wir sind dann erstmal zum Strand zum Stadtteil Boa Viagem gefahren um Kokusnussmilch stilecht aus der Kokusnuss zu trinken. Die erste Woche, bis Michael aus Deutschland ankommt, haben wir vorerst bei der Familie eines Kumpels von André verbracht. Gastfreundschaft wird hier überall groß geschrieben. Die Familie hält sich neben Rottweilern zur Abwehr von Einbrechern zwei Köhlerschildkröten im Garten die ich ab und an mal mit ner Banane füttern konnte.

Naja in der Woche viel erlebt und viel Stress gehabt. Immatrikuliert, brasilianische Handy-Nr. (0055(Vorwahl Brasilien) 81(=Vorwahl Pernambuco) 97115273) besorgt und Wohnung gesucht und gefunden. Die Wohnung liegt direkt im Studenten-Wohnviertel "CDU" und ist gegen Einbrecher mit einem Elektrozaun und Gittern vor allen Fenstern und Balkon gesichert. Das Wohnzimmer ist riesig und es gibt drei Badezimmer und vier Schlafräume (Wir wohnen dann auch zu viert: Michael, André, Gustavo -> Kumpel von Andrè und ich).


Momentan ist in Brasilien "Winter" bzw Regenzeit. Daher gibt es auch mehr Regen als die Sonne scheint, was allerdings bei den hohen Temperaturen gar nicht sooooo schlecht ist um sich ein wenig zu aklimatisieren. Um 17:30 geht hier die Sonne dann auch recht flott unter und um 18:00 ist es so finster, dass man ohne Lichtquelle nicht mehr die eigene Hand vor Augen sieht. Natürlich gibt es überall interessante Tiere und Pflanzen zu entdecken. So konnte ich schon zahllose Geier, Reiher, Beutelratten, Fledermäuse, kleine Affen, Schildkröten, Kanarienvögel usw. in freier Wilbahn beobachten.


Der Campus des CCB (Centro de Ciencias Biologia) ist ziemlich gemütlich. Überall wachsen exotische Pflanzen, das Zirpen der Grillen ist allgegenwärtig und es gibt viele Hauskatzen die ihr Unwesen treiben. Außerdem gibt es auf fast jedem Weg auch eine Straße von Blattschneiderameisen, die fleißig Blatt- und Blütenteile durch die Gegend schleppen.


Ich hab nun schon so einiges hier gesehen und erlebt - z. B. Wassergymnastik auf dem Gelände einer Priesterschule und war sogar auf einer brasilianischen Hochzeit. Der Ex-Mitbewohner von Andrè hat geheiratet und wir sind dort die einzigen Gäste ohne festliche Kleidung gewesen. Zudem waren wir vollkommen durchnässt, weil wir zu Fuß gelaufen sind und der Regen hier ziemlich schnell losplatzen kann. Irgendwie schon komisch, aber die Leute dort waren alle nett und anders als es wahrscheinlich in Deutschland abgelaufen wäre hat es einem niemand krummgenommen. Letztens waren wir dann noch in einer Bar am Fluss, die fast ausschließlich aus Müll aus diesem gebaut wurde. Ist schon unglaublich wieviel Unrat dort im Fluß treibt. Andauernd sah man Müllsäcke und anderes Treibgut vorbeischwimmen, aber das Umweltbewusstsein ist hier ja nunmal noch nicht so ausgeprägt und die Bevölkerung hat ja auch ganz andere Probleme.


CCB - Das Zentrum für Biowissenschaften der Uni


Eingang CCB


Allgegenwärtig auf sämtlichen Wegen sind diese fleißigen Blattschneider


Beim Sportplatz gibts kleine Affen!


Tiere haben hier generell weniger Angst vor dem Menschen.


Der Mata Atlântica - Küstenregenwald


Eine brasilianische, katholische Hochzeit