Donnerstag, 7. Oktober 2010

Enseada dos Corais

Heute hatte ich eine Exkursion nach "Enseada dos Corais" für den Kurs "Angewandte Ökologie" und ich werde ausnahmsweise mal ohne Verzögerung davon berichten. Bei "Enseada dos Corais" handelt es sich um einen schönen Strand mit breitem Riffstreifen und einem kleinem Mangrovengebiet davor.

Erstmal fit machen durch Jogaübungen und dann auf zur Arbeit.


Unser Projekt, welches wir in einer kleinen Gruppe von drei Leuten durchführen sollten und die lockere Vorgabe "Lebensraum Salzwasser" hatte, sollte die Lebensgewohnheiten der Muschelart Iphegenia brasiliensis näher unter die Lupe nehmen.


Entlang eines Transektes von 150 m - vom Ästuar mit seinen Mangroven bis schließlich in das Salzwasser des Meeres - sollten wir jeweils 5 x 5 Bodenproben sammeln, diese danach waschen und schließlich, neben der Aufnahme weiterer Werte wie Salinität oder Sedimentdichte, die gewünschten Muscheln vermessen. Problem nur: Wir haben an keinem Punkt auch nur eine Muschel von I. brasiliensis gefunden. Naja, nachdem die andere Gruppe ebenfalls abgebrochen hat, nachdem einer von denen beherzt in einen Seeigel gefasst hat, hatten wir noch einen schönen Tag am Strand mit viel Sonne.


Die Mangroven bilden ebenfalls für viele angepasste Tierchen wichtige Lebensräume. Hier wimmelte es nur so vor kleinen Winker-Krabben. Winker-Krabben schätzen, anstatt sich gegenseitig an den Kragen zu gehen, anhand der Größe der linken Schere ab welche Krabbe stärker ist und somit Vorrecht auf Weibchen und die besten Höhlen hat. Deshalb verbringen die Krabben einen Großteil ihrer Zeit damit sich gegenseitig zuzuwinken. Sah schon ziemlich witzig aus, aber leider sind die Viecher zu schnell um sie zu fotografieren :-/


Der Bereich vor dem Riff bei Niedrigwasser.


Oben auf dem Riff welches einen guten Meter aus dem Wasser ragt gibt es viele Pools, die für zahlreiche Tiere wichtige Rückzugsgebiete darstellen.


Die Grenze zwischen Strand und Rifferhebung.



Dies ist einer der bereits erwähnten Pools oben auf der Rifferhebung. Wie man sehen kann auch alles voll mit Seeigeln.


Da sich die vielen Seeigel von Algen ernähren ist das flache Wasser in den Pools glasklar und man kann wie im Aquarium Fische und Korallen beobachten.


Eine tote Languste haben wir dann auch noch gefunden und mitgeschleppt.




Klein aber fein - unsere erste blühende Orchidee daheim auf der Terasse (Lockhartia spec.)

Das wars dann auch erstmal von mir. Ab morgen bin ich drei Tage lang auf Exkursion für Riffökologie - dann gibts sicherlich wieder etwas Neues zu lesen und ein paar schicke Strandbilder zu sehen.

Also, até mais - Olli

Dienstag, 5. Oktober 2010

Reservat Saltinho und Strand von Tamandare

Wieder ist viel Zeit seit meinem letzten Post verstrichen, aber wir hatten die letzten Tage auch viel zu tun. Wir mussten einen 500 - 800 Wörter Aufsatz schreiben (statt Klausur) und versucht das mal so locker aus dem Ärmel zu schütteln in einer Sprache die ihr quasi grade erst kennengelernt habt. Zum Glück gibt es ja hilfsbereite Brasilianer/Innen die einem beim Korrekturlesen geduldig unterstützen. Zudem haben wir drei Zusammenfassungen und zwei Klausuren (natürlich alles auf portugiesisch). grade hinter uns. Um eine Klausur zu schaffen braucht man hier übrigens über 70% der Punkte. Alles in allem hört sich das eventuell viel und schwer an, aber man kann es schaffen und schließlich ist man ja auch nicht zum Urlaubmachen hergekommen.
Letztens hatten wir mal wieder Exkursion in den Regenwald. Diesmal ging es auf eine Vorexkursion für ein Projekt (über phytosaprophage Invertebraten im Süßwasser, für die Biologen unter euch) des Kurses "Angewandte Ökologie" in das ca. 1,5 Stunden von Recife entfernt liegende Reservat "Saltinho". Schön 1,5 Stunden durch den zum Brüten heißen und überschwülen Regenwald stapfen "nur" um am Ende ein paar Säckchen mit Früchten ins Wasser zu legen. :-)
Jedenfalls gab es viel zu sehen und ein paar Eindrücke habe ich wie immer zusammengestellt:

Okay, den hier habe ich noch vor unserer Haustür gefunden: Tropidurus spec. findet man hier überall. Auf dem Weg zur Uni, der ja quasi nur über die Straße ist, sieht man bei gutem Wetter 5 - 10 Exemplare herumflitzen.


Auf in den Dschungel...


Das hinter mir ist mal ein amtlicher Ameisenhaufen. Dort müssen Millionen von Ameisen hausen.


Mitten im Reservat sieht man immer mal wieder Häuserruinen und Reste von Infrastruktur. Das liegt daran, dass vor 50 Jahren dort noch eine Zuckerrohrfarm angesiedelt war.


Ein wenig schwer zu erkennen, aber das viele Sonnenlicht und das Fehlen von Bäumen deutet es an: Hinter diesem Gebüsch gibt es noch immer (nach 50 Jahren!) mitten im Wald/Reservat eine Fläche mit Zuckerrohr. Am 21. Oktober kommen wir noch einmal hier her zurück um die weiter oben bereits erwähnten Säckchen mit (dann hoffentlich zahlreichen) Wassertierchen einzusammeln und um außerdem ein Projekt über terrestrische Lebensräume durchzuführen, welches allerdings momentan noch kein festes Thema hat. Im Raum steht allerdings über die Auswirkungen des ehemaligen Zuckerrohranbaus auf den/die Boden/Vegetation zu untersuchen. Ich hoffe insgeheim, dass sich das Thema gegen andere Vorschläge wie stumpfes Bromelienauszählen durchsetzt.


Blattschneiderameisen der Gattung Atta bei der Arbeit. Diesmal sogar als Video! Wenns das alles so klappt wie ich mir das vorstelle werde ich des öfteren mal Videos hochladen.


Bach im Dschungel. Hier ist die Luftfeuchtigkeit noch einmal eine Spur stärker. Man fühlt sich tatsächlich wie im Tropenhaus (haha, sind ja auch die Tropen).


Er findet das gar nicht lustig. Kleine Kröten (portugiesisch sapos) findet man überall neben und auf dem Weg und sie sind nebenbei auch nützliche Bioindikatioren für Boden, Vegetationsform etc.


Ziel erreicht: Alter und kleiner Staudamm mitten im Regenwald mit...


... dazugehörigem kleinen Stausee, der früher sicherlich die Zuckerrohrfarm mit Energie und Wasser versorgt hat.


Nochmal Damm mit meiner Person zum Größenvergleich.



Bei der Hitze und Schwüle ist es eine willkommene Abwechslung die Füße ab und an in "frisches" Wasser zu tauchen wozu wir bei unserem Süßwasserprojekt natürlich genügend Gelegenheit hatten.


Blick vom Fuße des Damms.


Er fand es sicherlich auch nicht so toll gefunden zu werden. Schließlich hat er sich extra gut getarnt gehabt mit seinem Blattmuster auf dem Rücken. (Ich weiss, kommt natürlich auf nem Foto vom Kopf nicht besonders gut rüber)


Auf der Rückfahrt haben wir dann noch einen kleinen Schlenker zum Strand von Tamandare gemacht um den doch anstrengenden Tag bei einem kühlen Bierchen...


in einer Beatles-Bar...


... mit dem Rest der Truppe ausklingen zu lassen.

Até proxima vez (Bis zum nächsten Mal) - Olli